„KIKU Chor ist toll!“

Das obige Zitat aus stammt aus berufenem Munde, bzw. aus berufener Schrift. Denn Chirara, Schülerin der ersten Klasse, Mitglied im Kinderchor und im Leseclub, hat einen Text dazu verfasst:

KIKU Chor ist toll!

Wir singen Lieder im KIKU, und da bin ich dabei. Singen macht sehr viel Spaß! Wollt ihr auch singen lernen? Für Jungs und Mädchen. Wenn ihr die Lieder nicht kennt, ist es nicht schlimm. Dann könnt ihr zuhören und wenn ihr Schmerzen oder so habt könnt ihr zu Eltern gehen. Die helfen euch dann. Müsst ihr natürlich nicht mitsingen.

Muss nicht, kann aber. Neue Mitsänger und Mitsängerinnen können gern dienstags an einem Probe-Termin teilnehmen. Die Kinderchor-Proben beginnen jeweils um 16.30 Uhr.

Besuch im KIKU – oder: Alte Liebe rostet nicht

Immer wieder mal pasiert es, dass ehemalige KIKU-Kinder, inzwischen zu jungen Damen oder Herren gereift (naja, also mindestens so sechste oder siebte Klasse!) zu Besuch kommen. Das freut uns natürlich. Dann fragen wir ihnen natürlich ein Loch in den Bauch: Wie sich das Leben auf der weiterführenden Schule so anfühlt, welche Erinnerungen sie an die KIKU-Zeit haben, und was sie sich anders wünschen. Meistens hören wir viel Lob, und das ist natürlich ein schöner Lohn für die Anstrengungen, die hier die MItarbeiterinnen und Mitarbeiter auf sich nehmen.

Gerade sind J… und A…. aus der Tür. Sie haben den Leseclub besichtigt, den sie so noch nicht kannten und haben sich spontan bereiterklärt, ihre nicht mehr benötigten Kinderbücher zu spenden. Und sie wollen dann demnächst wieder an einem KIKU-Projekt teilnehmen: Eigene Filme drehen! Das ist möglich in dem Projekt „Aufgeschlagen“.Schön, wenn solche Verbindungen gehalten werden können.

Sprachförderung auf Basis Null

Wie ist es, mit 15 Kindern ein Projekt zu beginnen, mit denen man sich sprachlich fast nicht verständigen kann? KIKU-Mitarbeiterinnen haben diese Situation in der Zentralen Erstaufnahme Osterrade. Und sie machen die Erfahrung: Es geht erstaunlich gut.

Wer in Deutschland lebt und im schulpflichtigen Alter ist, hat Schulunterricht zu besuchen. Das ist Gesetz. Deshalb ist auch für Kinder in der ZEA Schule verpflichtend . Die Grundschule Mendelstraße und die Stadtteilschule Richard-Linde-Weg haben sich bereiterklärt, diese Aufgabe für die ZEA Osterrade zu übernehmen. Das KIKU ist als Partner der Grundschule mit dabei. Gemeinsam ergibt sich die Chance, eine neue Form von Schule zu kreieren.

„Osterrade“ heißt eine Straße in einem Gewerbegebiet im Norden Lohbrügges. In einer ehemaligen großen Halle eines Textildienstleisters ist die Erstaufnahme eingerichtet. Inzwischen ist der Hof mit Containern vollgestellt, hier befinden sich Sanitärräume, aber auch Unterrichtsräume. In der ehemaligen Kantine des Textilbetriebs finden die beiden KIKU-Projekte statt. Bald soll es auch eine Kita geben.

Dass die ungefähr sechs- bis zehnjährigen Kinder bisher noch keinen Deutschkursus besucht und teilweise auch noch nie eine Schule von innen gesehen haben, macht nicht viel aus. Denn das Lernen beginnt mit ganz rudimentären Dingen: Im Kreis sitzen, aufstehen, rennen… Papier, falten, Pinsel, malen – mit den Gegenständen und Tätigkeiten werden die Begriffe eingeführt. Das geht bei den Kindern ziemlich schnell. Und bald fangen sie auch an, Deutsch zu sprechen.

Die meisten Kinder werden wohl nur wenige Wochen oder Monate in den Genuss dieses Unterrichts kommen: Denn eine Erstaufnahme ist ja nur Durchgangsstation. Aber es kann sein, dass wir das eine oder andere Kind dann später in den regulären Grundschulen Bergedorfs wiedersehen.

Übrigens machen alle Beteiligten in der ZEA Osterrade die Erfahrung, dass die Kindern begeisterte Schüler sind. Die Schule beginnt um halb 9, aber schon um 8 Uhr stehen die ersten Schülerinnen und Schüler vor den Unterrichtsräumen. Ach, wie schön kann Schule sein!

Musik wird störend oft empfunden…

…dieweil sie mit Geräusch verbunden. Ich verrate hier jetzt nicht, wer der Urheber dieser Zeilen ist, kann aber bestätigen, dass die alte Sentenz – immerhin wohl schon gut 150 Jahre alt – nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren hat. Für den Autor dieser Zeilen stellte sich die Frage kürzlich in neuer Schärfe, als nämlich zwölf Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Richard-Linde-Weg zusammen mit Christian von Richthofen im Nebenraum allen möglichen Schrott-Teilen Töne entlockten.

Dass ich mich aber trotzdem dazu entschließen konnte, mich nicht gestört, sondern beflügelt zu zeigen, ist nicht einer speziellen Großherzigkeit, sondern eher der Freude geschuldet, dass dieses von der Stiftung Initiative Courage initiierte Projekt so schnell zustande gekommen ist. Und einen Auftrittstermin gibt es auch schon, nämlich am 28. Februar auf Kampnagel. Wenn das kein gelungener Start ist!

Freude auch hatte die KIKU-Besatzung mit dem Lied von der Moorhexe. Vier KIta- und Vorschul-Gruppen waren an zwei Tagen im Haus, um im Bilderbuchkino die Hexe Lisbeth zu erleben. Zur Einstimmung gab es das erwähnte Lied, instrumental ständig verbessert und perfektioniert. Wenn wir weiter so machen, können wir damit in der Fußgängerzone auftreten.

Und der Schluss aus all dem?

„Musik und Freude sind verbunden, und der Beweis: Ich hab’s empfunden!“

Mehr muss ich ja wohl nicht dazu sagen.

Von Einbrechern, Computern und einem Detektivbüro

Das hatten wir bislang verschwiegen: An einem Tag vor vielleicht 4 Wochen sind Einbrecher ins KIKU eingedrungen. Mit brutaler Gewalt wurden denkmalgeschützte Türen zerstört oder aufgehebelt und alle unsere Laptops gestohlen. Wer also für 20 Euro einen tragbaren Computer, auf dessen Rückseite groß KIKU gesprüht ist, angeboten bekommt. hat Anlass misstrauisch zu werden.

Der Diebstahl hat nicht nur uns geärgert. Sondern er rief auch ein Detektivbüro auf den Plan, das, mit modernem Equipment ausgerüstet, versuchte, die Diebe abermals anzulocken und dann dingfest zu machen. Dazu mussten die Dedektive natürlich einmal  eine Nacht im KIKU ausharren. Zum Glück fand sich eine Kursleiterin, die die Begleitung dieses Wagnisses auf sich nahm.

Bei Einbruck der Dämmerung bezogen die Junior-Detektive ihre Posten, observierten fachgerecht die Umgebung und verständigten sich über Walkie-Talkies. Es wurden zwar allerlei verdächtige Personen gesichtet, aber niemand machte Anstalten, in das Haus einzudringen. Kurz vor Mitternacht überkam die Detektive ein heftiges Schlafbedürfnis, dem sie mehrheitlich auch nachgaben. Nur die Chefin der Detektive hatte es sich zur Aufgabe gemacht, zum einen selbst wach zu bleiben, zum anderen die Kursleiterin wach zu halten.

Die Situation änderte sich schlagartig so gegen Mitternacht. Denn plötzlich waren Stimmen im Haus zu hören. Das war so nicht geplant! Die Einbrecher waren anscheinend wirklich zurückgekommen! Der Versuch, die schlafenden Detektive zu wecken, scheiterte leider. Also was tun? Schließlich nahm sich die Kursleiterin ein Herz und schlich auf Socken ins Erdgeschoss. Dort geisterten die Eindringlinge herum, sich notdürfig mit Handys den Weg erleuchtend.

Was tun? Eine KIKU-Kursleiterin, in den Fährnissen des Lebens und der Pädagogik gestählt, wählt natürlich den direkten Weg. Also: Tür aufreißen und mit Generalsstimme: „Was geht hier vor!?“

Der Schreck bei den Eindringlingen war gigantisch. Denn die beiden jungen Frauen, die für eine Party am nächsten Tag das KIKU gemietet hatten und nun am Freitagabend noch kurz die Dekorationen besprechen wollten, hatten natürlich nicht mit dieser Ansprache gerechnet. Dementsprechend war die Erleichterung auf allen Seiten, nachdem die Verhältnisse aufgeklärt waren, auch nicht gering.

Ein bisschen enttäuscht waren nur die Junior-Detektive. Der Computer-Diebstahl bleibt weiter ungeklärt und ungesühnt.

PS: Jetzt gibt es im KIKU auch eine Überwachungsanlage. Immerhin.

Niveauunterschiede

Wer künstlerische Bemühungen live verfolgt, erlebt manchmal erstaunliche Niveauunterschiede. Ein Kind schafft es mühelos, einen komplizierten Rhythmus nachzutrommeln. Ein anderes müht sich vergeblich damit ab, drei Schläge in gleicher rhythmischer Abfolge auf der Handtrommel zu spielen.

So gehts! Diese Niveauunterschiede sind sozusagen von der Natur so angelegt. Oder haben sich zumindest aus der Natur entwickelt.

Andere Niveauunterschiede sind von Menschenhand gemacht und müssen im Zuge der Inklusion auch auf gleichem Wege beseitigt werden! So ist es für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, immer noch nicht möglich, ohne fremde Hilfe das KIKU zu besuchen. Das aber soll nun anders werden: Eine Hebebühne soll es werden, die, Wunder der Technik, Keller, Hochparterre und erstes Obergeschoss mit dem ebenerdigen Zugang verbinden soll. Kein ganz leichtes Unterfangen, und der Hebebühnen-Bauer, der Bauingenieur und die Stahlbau-Firma hatten knifflige Probleme zu lösen. Mit dem heutigen Tag ist technisch alles abgesichert und es kann losgehen.

Naja, könnte losgehen. Erst einmal muss der Bauantrag genehmigt sein, und dann wäre da noch eine Kleinigkeit: das ganze Bauwerk wird ungefähr 55.000 Euro kosten. Vielleicht auch noch mehr. Wenn jetzt irgendjemand jemanden kennt, der angesichts dieser Summe „Peanuts“ ruft, wird dringend darum gebeten, den Kontakt herzustellen. Viel besser als in diesem Bauwerk wird man sein Geld nicht anlegen können. Jedenfalls nicht auf einem Konto in der Schweiz.

Glück!

An manchen Tagen kann es mich richtig glücklich machen, im KIKU zu arbeiten.

Ein spezielle Sorte von Glück (aber auch Stress und ganz viele Termine!) erzeugt ein Großprojekt, das in diesem Schulhalbjahr verwirklicht werden soll: Ein Stadtteil-Musical. Im Unterschied zu anderen Musical-Projekten, die mit Schulen laufen, haben sich nicht nur die Handlung SchülerInnen erdacht, sondern sie setzen es auch um in Musik und Szenen. Dazu gab es schon ein Casting, und rund 15 Kinder und Jugendliche aus Lohbrügge haben sich getraut und vor den kritischen Ohren von Profis vorgesungen. Damit ist schon einmal klar, wer die Rollen des „Königs von Lohbrügge“ spielen und singen wird. Aber woher kommt die Musik?

Können sich Kinder und Jugendliche Songs ausdenken? Texte vertonen? Wir haben es probiert. In Einzel- oder Zweierproben lesen wir die Songtexte, und dann heißt es: Sing mal!

Geht das? Kommt dabei etwas Sinnvolles heraus? Es geht. Und wie: Wir sind jetzt schon wahnsinnig stolz auf die talentierten und mutigen jungen Leute, die sich nicht scheuen, improvisatorisch Songs zu entwickeln. Wenn einige der Stücke besser stehen, werden wir auch etwas im Internet davon zeigen.

Über die Entstehung des Stadtteil-Musicals könnte man einen eigenen Blog füllen. Ich belasse es an dieser Stelle dabei und vertröste auf demnächst: Mehr dann auf www.kiku-hh.de!

Ein Wunder, ganz einfach

Wir haben hier im KIKU ein Wunder erlebt. Und das kam so:

Seit mehr als einem Jahr kooperiert das KIKU mit der Elbphilharmonie mit der BeatObsession. Dabei finden in mehreren Kinder- und Jugendeinrichtungen Rhythmus-Workshops statt, und das ganze wird mit einer Aufführung in der Laieszhalle gekrönt. So weit, so gut!

Diesmal wollten wir aber etwas Besonderes hinkriegen. Wenn schon getrommelt wird, weshalb dann nicht auch dazu tanzen? Grundsätzlich keine besonders originelle Idee. Aber wenn es darum geht, während der Ferien ein paar Kinder oder Jugendliche dazu zu bewegen, an einem Workshop teilzunehmen, dann kann das eine Herausforderung sein. Deshalb sprachen wir zwei benachbarte Sozialeinrichtungen, den Jungentreff und den Mädchentreff an, ob sie Lust hätten, sich zu beteiligen. Evin und Thorben waren sofort dabei, aber der Mädchentreff hatte in der betreffenden Ferienwoche schon anderes vor. Soweit die Normalität. Also blieben vorerst die Jungen.

Würden Sie kommen? Mitmachen? Kreativ und produktiv sein? – Die Trommelgruppe hatte bereits die Grundzüge ihres Auftritts abgesteckt, als fast schon unerwartet Goffret und Egeman im KIKU auftauchten, um sich die musikalischen Bemühungen der Rhythmusgruppe zu Gemüte zu führen. Innerhalb weniger Tage entstand dann mit den Jungen vom Jungentreff eine kleine Choreografie, die mit fulminanten Erfolg in der Abschlussaufführung der BeatObsession gezeigt wurde. Es war ein wunderbarer Erfolg, und alles zusammengenommen, ganz einfach ein Wunder.

Hier kann man sich den Film vom Auftritt anschauen.

Großer Dank geht an unsere Kooperationspartner und die engagierten Tänzer vom Jungentreff. Aber natürlich wäre das Wunder im KIKU nicht möglich gewesen, hätten nicht Tanja, Katja und Senab während der Frühjahrsferien alles so gut betreut und eine kreative und freundliche Atmosphäre geschaffen. Und natürlich hätte es ohne den Percussion-Spezialisten Stefan Weinzierl, der den Rhythmusworkshop leitete, nicht diesen Erfolg gegeben.

Übrigens: Die Proben und der Auftritt haben so viel Spaß gemacht, dass noch verschiedene Auftritte geben soll. Dann aber auch mit den Mädchen, die bereits ihren Part geübt haben! Das Ganze heißt dann: FLASHMOHBRÜGGE. Aber mehr wird jetzt noch nicht verraten. Vielleicht werden Sie ja davon hören!

Weltuntergang ausgerechnet übermorgen

Nun muss ich mich beeilen, noch schnell einen Beitrag zum Blog zu schreiben, denn übermorgen ist ja bekanntlich Weltuntergang. Dann wäre es schade, wenn ich nicht mehr fertig würde. Tja, der Weltuntergang! Allen Schülerinnen und Schülern ist dieses unmittelbar bevorstehende Ereignis ein Begriff. Wobei sich allerdings in der zweiten Klasse der Begriff oft noch nicht so recht ausgeprägt hat. Denn häufiger werden wir  mit der Frage konfrontiert: Und was ist danach?

Als etwas geübterer Weltuntergangsbeobachter kann ich darauf nur antworten: Nach dem Weltuntergang ist vor dem Weltuntergang! Jedenfalls hat sich die Welt bei den letzten gefühlt 20 Weltuntergängen nicht an ihre Bestimmung gehalten und einfach so weitergemacht wie bisher. Weil das vermutlich morgen auch wieder so sein wird, müsste ich mich dann wohl doch nicht so beeilen.

Fragt sich, wer nun eigentlich den Termin ausgesucht hat. Die Jugend bezichtigt stets: Die Maya. Wahrscheinlich denkt dabei mindestens die Hälfte an die Biene Maja. Dass Insekten so tückisch sein könnten, Weltuntergänge zu verursachen, wäre aber eine sehr weit hergeholte Anschuldigung. Falls es jemals was werden sollte mit dem Untergang, wird das der Mensch wohl schon alleine hingekriegt haben.

Zu den Maya aus Südamerika muss man aber feststellen: Offenbar hat dieses Andenvolk schon vor hunderten von Jahren festgelegt, dass ihr Weltuntergang nicht etwa irgendwann, sondern genau am ersten Tag der Weihnachtsferien stattfinden soll. Vermutlich genau um 10.30 Uhr, wenn sich die KIKU-Mitarbeiter zu einer kleinen internen Weihnachtsrunde versammelt haben. Respekt! Eine solche seherische Leistung ist ja eigentlich ohne Internet und Ferienkalender nicht möglich. Das ist verdächtig. Sollten die Maya Computer gehabt haben? Erich von Däniken, übernehmen Sie!

 

Ein Leben mit Kreativität und Humor

„Das war schon immer mein größter Wunsch: Einfach nur im Bett liegen und mich bedienen lassen!“ Wer das sagte? Es war der optimistischste, gelassenste und dabei enorm tatkräftige Mensch, den man sich überhaupt nur vorstellen kann: Jürgen Redlich. Nach dem Studium prägte er lange Zeit das Stadtteilkulturzentrum „Die Motte“ in Ottensen, war Anfang der 90er Jahre auch einige Jahre lang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Stadtteilkultur (jetzt Stadtkultur e.V.), dem Dachverband der Hamburger soziokulturellen Zentren. In der SAGA-Tochter Pro Quartier kümmerte sich ungefähr seit den 2000-er Jahren um Stadtteilentwicklung; und man muss nur Leute in Jenfeld oder Neuwiedenthal fragen, um zu erahnen, was er dort leistete.

Die letzten rund zwölf Jahre seines Lebens waren von einer heimtückischen Krankheit gekennzeichnet. Zunächst schränkte sie seine Bewegungsfähigkeit immer weiter ein. Solange es ging, machte Jürgen Redlich noch Radtouren. Irgendwann war das nicht mehr möglich, und vor ungefähr sechs Jahren konnte er nach einem längeren Krankenhausaufenthalt nicht mehr alleine aufstehen. Jürgen Redlichs Krankenbett wurde zum Treffpunkt von ganz unterschiedlichen Leuten – und: angesteckt von seiner guten Stimmung und seinem menschenfreundlichen Humor wurde viel gelacht. Legendär ist eine Party, die rund um sein Bett stattfand: 50 Leute feierten zu den Klängen des Zigeunerensembles Cafe Royal. Wer beladen mit Sorgen, Problemen und bedrücklichen Schwierigkeiten zum Bett von Jürgen Redlich kam, ging oft heiter, gelassen und mit neuen Einsichten versehen wieder davon.

Um der Langeweile ein Schnippchen zu schlagen, schrieb Jürgen Redlich aber auch Kriminalromane. Und als das Schreiben am Computer nicht mehr klappte, diktierte er sie mit Hilfe einer entsprechenden Software. Die Handlung spielte teilweise in der Türkei oder in Norwegen – getreu der Devise: Von meinem Bett aus kann ich alles überblicken.

Die Kreativität in der professionellen Sozial- und Kulturarbeit nicht zu kurz kommen lassen, dafür hat er sich immer eingesetzt. Solange er noch in diesem Feld tätig war, hat er es entsprechend vorgelebt. Nun ist er nach einer erneuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes im AK Altona gestorben. Das ist traurig. Oder eben auch nicht. Um es mit Jürgen zu sagen: „Daraus sollte man etwas machen!“